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Die Figuren von Edmund Golawski Mit gesenktem Haupt kniet er vor seiner Angebeteten, die erhaben die Huldigung entgegennimmt, gra- zil und mit stolz geschwelter Brust. Kraftvoll Selbstbehauptung demonstrierend schreitet sie dem Mann voraus, der hinter ihrem Rücken verkleinert in gebührendem Abstand folgt.
Ob auf Leinwand gebannt oder in Schmiedeeisen geformt vermitteln die Figuren von Edmund Golawski das unerschöpfliche Spektrum des Eros. Weder dramatisch noch pathetisch stehen sie im Raum. Sanfte Neigungen, behutsame Drehungen genügen, um Situationen klar zu erfassen und Empfindun- gen spürbar werden zu lassen. Ungewöhnlich aus der maskulinen Sicht stellt Gola den männlichen Part oft in der Hintergrund, eckig und verwinkelt klar definierbar. Den weibliche Charakter hebt er in bildnerisch individuell hervor und bestimmt die Handlung. Eine Polarität, die Dominanz des Weiblichen, wird spürbar, eine Spannung entsteht und drängt zur Erläuterung, die nur durch Emotionen der Betrachter individuell hinzugefügt werden kann. Das In- und Miteinander der Figuren wirkt tänzerisch leicht, verspielt und nichts ist sta- tisch deutbar. Der immer wiederkehrende Reigen der erotischen Werbung, der noch unbelastete zarte Flirt, das ewige Spektrum menschlicher Emotionen bestimmt bei Gola seine eigene Stimmung, die er sensibel auf seine Eisenmenschen und graffitiartig gesprayte Leinwandbilder überträg. Auf der steten Suche nach dem Idealbild Frau steht er vor einem Rätsel dessen Unlösbarkeit, die figürliche Überhöhung zur Folge hat. Renate Gross –in Kunst Aktuell
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