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Eine ungewöhnliche Künstlerin ist Ange- lika Dombrowski, die von 1963-1968 an der HfBK Dresden bei Gerhard Stengel, dem später bekanntesten Aquarellisten in der DDR, und Gerhard Kettner, dessen Bildnisse im dtv-Lexikon der Kunst als „lyrische, humanistische Weltansichten“ beschrieben werden, studierte und diplomierte; zu einer Zeit, über die Günter Grass im Hinblick auf die Einheit von Kunst in den beiden deutschen Staaten folgendes formulierte: „...den Künstlern in und zwischen den Machtbereichen mangelt es nicht an Stoff, Reibung und Zeugungswut. Ihr patriotisches Begreifen misst weiter als Bundestagsdebatten und ZK-Beschlüsse; es gründet neue Traditionen, die oft genug der Politik und ihren Ansprüchen zuwiderlaufen.“
Als Günter Grass die Eigengesetzlichkeit der Künste proklamierte, hatte er bereits frühzeitig erkannt, dass ein befruchtender Austausch zwischen den produzierenden Künstlern in beiden Ideologien für den deutschsprachigen Kulturraum unabdingbar ist, sofern kosmopolitisches Denken erhalten bleiben soll. Das war in den 1960er Jahren jedoch im Bereich der DDR nicht erwünscht, sondern eine kommunistische Ideologie sollte alle Bereiche des Lebens erfassen, und besonders die Maxime für die Künste sein.
In dieser Wirrnis traf die junge Künstlerin ihr Schicksal in Gestalt eines Südamerikaners, so dass es sie für die kommenden drei Jahrzehnte zuerst nach Kolumbien und dann allein mit ihren Kindern Cecilia und Ciro für die folgenden zwanzig Jahre nach Venezuela verschlug. Erst Anfang der 1990er Jahre, gereift und mit einem neuen Lebenspartner, kehrte sie nach Europa, nach Bayern, zurück.
In den drei Jahrzehnten, die sie in einer Kultur lebte, deren Basis von den Azteken, Indios, Spaniern und Mexikanern geschaffen wurde, hat sie ihre Bild- aussage zur maximalen Form entwickeln können; es sind Manifestierungen divergierenster Empfindun- gen zwischenmenschlicher Kommunikation vom Maler zum Objekt. Fortsetzung nächste Seite
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